Erschütternde Wahrheit

Im Jahr 2009 erschien in den USA ein Artikel, der eine sportbegeisterte Öffentlichkeit ins blanke Staunen versetzte. Geboren in Nigeria, sprach der Einwanderer, Rechtsmediziner und Neuropathologe Bennet Omalu zum ersten Mal über die gesundheitlichen Folgen des American Football. In einer Fallstudie, in der er ehemalige Football-Spieler untersuchte, entdeckte er die Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE). Diese ist eine Auswirkung der wiederholten Kopf- und Gehirnerschütterungen, die Spieler während des Mannschaftssports regelmäßig erleben, und führt in den schlimmsten Fällen zu körperlich-geistigen Einschränkungen, Depressionen und Selbstmordversuchen.

Photo by KeithJJ, CC0 Public Domain

Stolz auf seine wirklich erschütternde Wahrheit, konnte es Omalu kaum abwarten, der NFL (National Football League) von seinen Erkenntnissen zu berichten. Diese schien aber alles andere als begeistert. Regisseur Peter Landesman fand die wahre Geschichte so ergreifend, dass er einen Film aus ihr machte.

Handlung

Besonders in den USA werden herausragende Sportler extrem belohnt: Geld, Ruhm und Ehre gelten für junge Ausnahmetalente als große Anreize, ihr Familien- und Liebesleben und oft auch ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen. In seiner Klinik in Pittsburgh trifft Arzt Omalu, gespielt von Will Smith, auf den ehemaligen Football-Spieler Mike Webster, der im Film auf bewegende Weise von David Morse verkörpert wird. Webster leidet unter schweren Depressionen und unerklärlichen geistigen und kognitiven Störungen. Trotz seines vorausgegangenen Ruhms, lebt er in einem Pickup-Truck und schnüffelt Terpentin. Einem ehemaligen Mitspieler, der versucht ihm zu helfen, ereilt bald ein sehr ähnliches Schicksal.
Eins steht fest: Beide Männer verstehen nicht, was mit ihnen geschieht. Nach Websters tragischem Tod führt Omalu eine Autopsie durch und hat plötzlich die Antwort: Die ständigen Kopfverletzungen, die Football-Spieler erdulden müssen, erschüttern buchstäblich das Gehirn. Während andere Säugetiere schwere Stöße am Kopf besser absorbieren können und so ihre grauen Zellen schützen, wird im menschlichen Gehirn ein Protein ausgeschüttet. Sammelt sich dieses über einen gewissen Zeitraum an, kommt es zu Halluzinationen, Gedächtnisverlust und weiteren gesundheitlichen Störungen.

Dick Thomas Johnson from Tokyo, Japan [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Im Laufe der Zeit findet Omalu immer mehr ehemalige Football-Spieler, die ähnliche Symptome aufweisen. „Ich hätte diese Entdeckung anscheinend nicht machen dürfen“, gesteht er seiner Frau Prema gegen Ende des Films. Und das aus gutem Grund: Nachdem er den NFL-Beauftragten Roger Goodell (Luke Wilson) dazu überredet hat, seine Ergebnisse dem offiziellen NFL-Komitee vorzustellen, wird es von diesem kurzerhand nicht ernst genommen. Das Komitee wirft den engagierten Arzt sogar während des Meetings aus dem Konferenzsaal und zwingt den ehemaligen NFL-Mitarbeiter Bailes den Vortrag zu halten. Dieser verfälscht dir Ergebnisse des Arztes. Im unfairen Kampf gegen den NFL-Riesen beginnt für Omalu nun ein regelrechter Alptraum…

Kritik

Will Smith überzeugt mit seiner Darstellung des Arztes Omalu bis ins kleinste Detail: Er wirkt präzise, gewissenhaft und beharrt auf sein Recht, ohne dabei selbstgerecht zu wirken. Der ambitionierte Arzt lebt für seine Arbeit und die Kirche und versucht sich trotz des größten Widerstandes nicht unterkriegen zu lassen. Auch seine Liebesbeziehung zwischen Prema, gespielt von Gugu Mbatha-Raw, und Omalu wird genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich leiden beide unter dem Druck, die die NFL auf den Arzt ausübt. Obwohl Smith oft in der Kategorie „Komödie“ glänzt, nimmt man ihm die ernste Rolle durchaus ab. Ohnehin hat er in der Vergangenheit gezeigt, dass er ein äußerst vielseitiger Schauspieler ist.
Insgesamt schafft es der Film, den Zuschauer zwei Stunden lang in seinen Bann zu ziehen. Der Schnitt, für den Oscar-Gewinner William Goldenberg verantwortlich war, überrascht mit einfallsreichen und schnellen Übergängen. Diese helfen dabei, sich in den Eifer des begabten Arztes Omalu hineinzuversetzen, während er seine bahnbrechenden Entdeckungen macht. Sobald er jedoch an die Öffentlichkeit geht und sich die NFL zum Feind macht, wird die Erzählweise etwas vage. Obwohl der Film nicht davor zurückscheut, Roger Goodell als Lügner und schmieriges Firmenwiesel darzustellen, tut er sich dennoch schwer, die NFL offen an den Pranger zu stellen.
Vielleicht wurde die Entscheidung, die Auseinandersetzung zwischen Omalu und der NFL nicht zu dramatisieren, aber auch völlig bewusst getroffen. Der Film wirkt so wahrheitsgetreuer, da er fast kommentarlos die Sichtweise des Arztes darstellt: Der religiöse Omalu glaubt an das Gute im Menschen, auch wenn sich diese hinter großen Kooperationen verstecken. Selbst nach bitterer Enttäuschung lehnt er es ab, dem Zynismus zu verfallen. Als er am Ende des Films als amerikanischer Held bezeichnet wird, fühlt sich dies authentisch und kaum übertrieben an. Der Film kann auf Amazon entweder geliehen oder gleich gekauft werden.