Marianne Faithfull: Negative Capability – Wenn alle Tränen getrocknet sind …

Wenn Marianne Faithfull dieser Tage singt, sei da auch ein in vollen Zügen gelebtes Leben zwischen den Zeilen zu hören, sagt ihr Verehrer Nick Cave. Kein Wunder, denn die Künstlerin hat mehr erlebt, als die meisten Menschen sich überhaupt ausmalen können.
Dennoch hasst sie es, eine „Überlebenskünstlerin“ genannt zu werden. Zu Recht, denn dieser immer etwas mitleidig gebrauchte Begriff greift, was Marianne Faithfull angeht, zu kurz. Mitgefühl oder gar Mitleid sind in ihrem Fall nicht angebracht, sondern, sondern vor allem: Respekt.

Film-Blog.tv meint:
Sie war wahrscheinlich das erste „It-Girl“ der Popgeschichte: Marianne Faithfull. Wer sich noch irgendwie an die „Roaring Sixties“ erinnern kann, hat noch ihre Schlagzeilen in der Boulevardpresse vor Augen und „As Tears Go By“ in den Ohren. Viel mehr als das haben ihr damals die wenigsten zugetraut. Dass weit mehr in ihr steckt, wurde uns Ende der 70iger schlagartig klar. Über 10 Jahre hat sie gebraucht um zurück zukommen. Aber wie. „The Ballad of Lucy Jordan“ stürmte die Charts und das Album, aus dem der Hit ausgekoppelt wurde, gilt noch heute als eine der besten jemals produzierten Pop-LPs: „Broken English“. Wieder sind einige Jahre ins Land gegangen. Marianne Faithfull ist zu „Grand Dame“ gereift und legt uns nun mit „Negative Capability“ ein Statement auf den Plattenteller, das man ohne Übertreibung neben „You Want It Darker“ von Leonard Cohen ins Regal stellen kann, ja muss: Ein wahrlich großes Werk. Mehr ist nicht zu sagen.

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Mitgefühl oder gar Mitleid sind in ihrem Fall nicht angebracht. Die 71jährige Britin ist jetzt in einer Phase ihres Lebens, in der auch Johnny Cash, Leonard Cohen, Frank Sinatra oder Nina Simone grandiose Werke veröffentlichten. Alles Künstler, die auf ein Leben zurückblickten, das ihnen jenseits des Rampenlichts auch Erfahrungen der düsteren Sorte beschert hatte. Alles Menschen, die am Boden waren, aber wieder aufgestanden sind. Eine Fähigkeit, die letztlich Größe ausmacht.
Marianne Faithfull ist in ihrem Leben einige Male wieder aufgestanden.

Die allseits mystifizierten Sechzigerjahre seien für sie auch eine finstere Zeit gewesen, merkte sie während der Aufnahmen zu ihrem neuen Album „Negative Capability“ an. Eigentlich war sie Mitte der Sechziger auf der Suche nach einer passenden Universität gewesen, als sie auf einer Party dem Rolling-Stones-Manager Andrew Loog Oldham über den Weg lief, der von der bildhübschen, jungen Frau sofort elektrisiert war: „Eine Begegnung, die mein Leben auf den Kopf gestellt hat. Statt auf die Uni zu gehen, stand ich plötzlich mit Mick und Keith im Studio, um „As Tears Go By“ aufzunehmen“, erinnert sie sich.

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Ihre darauffolgende turbulente Zeit mit Mick Jagger und Konsorten im Swinging London der Sechziger ist längst Legende und fester Bestandteil der Popgeschichte. Der harte Absturz, der darauffolgte, ebenso. „Ich habe viel zu lange die Träume und Fantasien anderer Menschen erfüllt“, sagt Marianne Faithfull heute. Eine Erkenntnis, die sie Ende der Siebziger überkam.

Es folgte das Album „Broken English“, wo sie all ihre aufgestaute Wut in große Kunst verwandelte. Eine Platte, die längst als Klassiker gilt und für Marianne Faithfull eine Wiedergeburt war, weil sie klarmachte, dass sie selbst eine große Künstlerin ist. Seitdem hat sie in schöner Regelmäßigkeit so aufregende wie ambitionierte Werke geliefert, bei denen ihr so unterschiedliche Kollegen wie HaI Willner, Angelo Badalamenti und Nick Cave zur Hand gingen.


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London hat sie vor einer Ewigkeit den Rücken gekehrt. Heute lebt Marianne Faithfull im Herzen von Paris, in einer Gegend, in der einst Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald und Pablo Picasso sich im Paris ihrer Zeit auslebten. Sie lässt es zwar dieser Tage ruhiger angehen, dennoch ist Faithfull als Musikerin auf der Höhe ihrer Kunst, was ihr neues Album „Negative Capability“ belegt.

Wie so oft ging ihr eine Riege exquisiter Kollegen zur Hand, so wie die Produzenten Rob Ellis , der für seine Arbeit mit PJ Harvey bekannt wurde, und Warren Ellis , dem Nick Cave Mitstreiter, der dieser Tage bei den Bad Seeds Regie führt. Zwei Könner, die für die erhaben reduzierte Stimmung des neuen Albums sorgten. Beim Schreiben der Songs wurde Faithfull von Assen wie Ed Harcourt, Mark Lanegan und Nick Cave unterstützt.

Aber letztlich ist es eben doch allein Marianne Faithfull, die alles zusammenhält, Regie führt und dieses Album zu einem Erlebnis der besonderen Art macht. Es ist ein Werk geworden, das nur jemand hinbekommt, der so ein Leben gelebt hat. Es geht um Einsamkeit und Verlust, um Schmerzen und Wehmut, aber eben auch um Zuversicht, Euphorie und Freude am Leben.

Es sei eine der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens gewesen, damals ihre Kunst in die eigenen Hände zu nehmen, sagt Faithfull heute. Den Beweis dafür liefert sie erneut mit diesem Album.

„Negative Capability“ von Marianne Faithfull wird am 02. November 2018 von BMG Rights Management auf Vinyl-LP, CD und als Download veröffentlicht. Es ist das 21. Studioalbum in ihrer 54 Jahre währenden Musikkarriere.
Das Rezensionsexemplar wurde von BMG Rights Management zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Webseite von Marianne Faithfull