Max Richter: „The Blue Notebooks“ – Kopfkino für die Ohren

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Die Deutsche Grammophon präsentiert eine erweiterte Neuausgabe von Max Richters »The Blue Notebooks« zum 15. Jahrestag der Entstehung des Werks. Richter hatte das Werk in nur drei Stunden aufgenommen. Doch das Album wurde zum Kultklassiker, dann zum Trendsetter, schließlich zum Maßstäbe setzenden Meisterwerk. Es bahnte einer ganzen Generation erfolgreicher junger Komponisten den Weg. Millionenfach wurde es auf Spotify abgerufen und selbst in der Werbung, in Fernsehsendungen und Filmen häufig genutzt. Was heute durchaus üblich ist, war seinerzeit revolutionär – Richter war mit »The Blue Notebooks« einer der Ersten, der klassische und elektronische Elemente mit Perspektiven des Post-Rock verknüpfte.

Film-Blog.tv meint:
Im Filmblog haben wir in letzter Zeit immer wieder neue Musik-CDs und LPs vorgestellt. So nah am Thema „Film“ wie Max Richters „The Blue Notebooks“ war allerdings schon lange keine musikalische Veröffentlichung der letzten Jahre. Mein Tipp: Steckt die Silberscheiben in den Player (oder noch besser: Legt die Vinyl-LP auf den Plattenteller), schenkt Euch ein schönes Glas guten Rotwein ein, schließt die Augen und genießt einfach. Schon nach wenigen Takten entstehen Bilder im Kopf, Richter nimmt Euch mit auf einen musikalischen Roadtrip der Extraklasse. Voraussetzung ist allerdings, mehr als sonst, eine wirklich gute Musikanlage. Aber die haben Cineasten ja meist sowieso …

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Die Veröffentlichung von »The Blue Notebooks« 2004 verlief still. Richter hatte das Werk im Jahr zuvor geschrieben und in nur drei Stunden aufgenommen. Doch die Welt zog nach, das Album wurde zum Kultklassiker, dann zum Trendsetter, schließlich zum Maßstäbe setzenden Meisterwerk. Es bahnte einer ganzen Generation erfolgreicher junger Komponisten den Weg.

Die Auseinandersetzung mit dem Werk lohnte und seine Aussage erreichte nach und nach das Bewusstsein und auch die Herzen vieler Zuhörer. Millionenfach wurde es auf Spotify abgerufen und selbst in der Werbung, in Fernsehsendungen und Filmen häufig genutzt.
Was heute durchaus üblich ist, war seinerzeit revolutionär – Richter war mit »The Blue Notebooks« einer der Ersten, der klassische und elektronische Elemente mit Perspektiven des Post-Rock verknüpfte.

Diese Neuausgaben enthalten Remixes von den Musikern Konx-Om-Pax und Jlin. Beide bieten einen faszinierenden kulturellen Grenzgang und zeigen, wie Richters Musik und Auffassungen Barrieren überwinden. Zusammenhänge werden offensichtlich, die nicht auf den ersten Blick erkennbar waren.

Neu sind außerdem die Gestaltung der Ausgabe, ein bisher unveröffentlichter Track und Neuarrangements von Kompositionen, die zur selben Zeit wie das Album geschrieben, aber erst Anfang dieses Jahres in den Air Studios erstmals aufgenommen wurden.

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Über Aufnahme und Neuarrangement von zuvor unveröffentlichtem Material sagt Max Richter: »Wir sind noch einmal in eine Art Hinterland des Albums eingetaucht; diese Stücke bilden den Kontext, sie sind wie ein Reservoir, das in die Produktion der Aufnahme einfloss, aber schließlich nicht im Endprodukt erschien.«

Das Bonusmaterial hat die gleiche Qualität und suggestive Kraft wie das Hauptalbum. Und ob man die ursprüngliche oder die erweiterte Fassung hört, es ist eine Aufnahme von schlichter, melancholischer Schönheit, in der ein voller natürlicher Streicherklang auf durchsichtige Low-Fi-Elektronik trifft. Sinnfällige Strukturen, nachträglich hinzugefügte Geräusche und die ASMR auslösende kristallklare Aufnahme der Lesungen der Schauspielerin Tilda Swinton schaffen eine höchst eindringliche Atmosphäre.

»The Blue Notebooks« wurde sorgfältig konzipiert als »eine Meditation über Gewalt und deren Folgen, inspiriert durch den – bevorstehenden – Irakkrieg und meine eigenen Erfahrungen«, sagt Max Richter. Richter fand seine Vorbilder in Bob Dylan, Woody Guthrie und in der Punkbewegung, aber seine Art von Protest unterschied sich.»Ich wollte die Zuhörer einladen, ihnen Raum zum Nachdenken geben, statt ihnen etwas aufzudrängen. Die Welt ist rau genug, dieser Brutalität wollte ich nichts hinzufügen. Im Laufe der Jahre ist mir klargeworden, dass man ein Gleichgewicht finden muss; während unsere Welt in etwas sehr Bedrohliches hineintaumelt, das zunehmend auf lautstarker, skrupelloser Rhetorik beruht, möchte ich über stillen Protest sprechen.«

Das Album ist außerdem sehr persönlich, Richter erinnert sich: »Als ein sensibles Kind reagierte ich auf die Gewalt um mich herum damit, dass ich mich ganz in mich zurückzog. Mein einziges Refugium war die Musik; ich verschwand völlig in den inneren Landschaften, die sie mir eröffnete.«


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Tatsächlich ist »The Blue Notebooks« von einem Gefühl der Nostalgie durchdrungen. Das zeigt sich auch in den Texten, die Richter für Tilda Swintons so wichtige Monologe auswählte. »Everyone carries a room about inside him. – Jeder Mensch trägt ein Zimmer in sich.«, beginnt sie. Die Worte stammen aus den acht blauen Oktavheften von Franz Kafka, auf die Richter sich im Titel seiner Suite bezieht. Später rezitiert Swinton aus »Hymne von der Perle« und »Unerreichbare Erde« des polnischen Dichters Czesław Miłosz, wo Vergangenheit und Gegenwart auf einprägsame Weise verschwimmen: »I was here when she, with whom I walk, wasn’t born yet – Ich war hier, als die, die neben mir geht, noch nicht geboren war.«

»Die Texte, die ich aussuchte, sollten meinen Eindruck von der damaligen Politik reflektieren«, sagt Richter. »Fakten wurden allmählich durch subjektive Behauptungen ersetzt, während sich alles auf den Krieg zuspitzte, der offenbar unvermeidlich und rechtmäßig schien, während doch alle Beweise für das Gegenteil sprachen. Kafkas Verwendung des Absurden, um Machtstrukturen zu untersuchen, schien mir von größter Bedeutung. Er ist natürlich der Schutzheilige des Zweifels, und Zweifel – über Politik und den Weg, den die Gesellschaft einschlug – war das, was ich ausdrücken wollte. Die Texte wurden ausdrücklich gewählt, weil sie sich auf die Kindheit beziehen oder auf das Vergehen der Zeit, während alles ringsumher versagt.«

Richter weist darauf hin, dass dies schon im Aufbau von »The Blue Notebooks« angelegt ist. »›On The Nature Of Daylight‹ hat die Struktur eines Palindroms, sodass Vergangenheit und Gegenwart nebeneinander existieren.« Das Stück ist inzwischen das herausragende, bekannteste des Albums geworden, nicht zuletzt durch seine bedeutungsvolle Verwendung in Denis Villeneuves preisgekröntem Film »Arrival«, dessen palindromische Erzählstruktur, Ideen über nicht lineare Zeit und verschwommene Bilder von Erlebtem perfekt zu Richters Musik passen.

Wie reizvoll und einflussreich »On The Nature Of Daylight« ist, zeigt sich darin, dass es in so vielen Filmen und Fernsehsendungen verwendet wurde. Dazu gehören »Shutter Island« von Martin Scorsese, »The Innocents« (dt. »Agnus Dei – Die Unschuldigen«) von Anne Fontaine, »The Face of an Angel« (dt. »Die Augen des Engels«) von Michael Winterbottom, »Disconnect« von Henry Alex Rubin und »Stranger Than Fiction« (dt. »Schräger als Fiktion«) von Marc Forster.

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Und so betrachten wir hier mit Recht die Vergangenheit dieses klassischen Albums und seinen Platz in der Gegenwart. Politisch sind die Dinge nicht nur vergleichbar, sondern schlechter. Musikalisch ist manches unverändert, erscheint aber nun in einem anderen Licht und wird unter neuen Umständen anders beurteilt, andere Teile wiederum sind neu oder wurden bearbeitet. »The Blue Notebooks« stellt einen sich wandelnden Kreislauf von Beobachtung und Erfahrung dar – es verkörpert Zeitlosigkeit.

Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns den Soundtrack eines Films, der Euch am besten gefällt und nennt eine kurze Begründung dafür.
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Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

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Dazu habt ihr bis zum 15. Juni 2018 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

2 CDs, Double eAlbum, 2 LP Black Vinyl
CD 1, LP 1
01. ‘The Blue Notebooks’
02. ‘On The Nature Of Daylight’
03. ‘Horizon Variations’
04. ‘Shadow Journal’
05. ‘Iconography’
06. ‘Vladimir’s Blues’
07. ‘Arboretum’
08. ‘Old Song’
09. ‘Organum’
10. ‘The Trees’
11. ‘Written On The Sky’

CD 2, LP 2
01. ‘A Catalogue Of Afternoons’ (Erstveröffentlichung)
02. ‘On The Nature Of Daylight’ (Version für Orchester)
03. ‘Vladimir’s Blues 2018’ (neu arrangiert, 2018 in den Air Studios aufgenommen)
04. ‘On The Nature Of Daylight (Entropy)’ (neu arrangiert, 2018 in den Air Studios aufgenommen)
05. ‘Vladimir’s Blues’ (Remix von Jlin)
06. ‘Iconography’ (Remix von Konx-Om-Pax)
07. ‘This Bitter Earth’ / ‘On The Nature Of Daylight’

Super Deluxe Edition
CD 1
01. ‘The Blue Notebooks’
02. ‘On The Nature Of Daylight’
03. ‘Horizon Variations’
04. ‘Shadow Journal’
05. ‘Iconography’
06. ‘Vladimir’s Blues’
07. ‘Arboretum’
08. ‘Old Song’
09. ‘Organum’
10. ‘The Trees’
11. ‘Written On The Sky’

CD 2
01. ‘A Catalogue Of Afternoons’ (Erstveröffentlichung)
02. ‘On The Nature Of Daylight’ (Version für Orchester)
03. ‘Vladimir’s Blues 2018’ (neu arrangiert, 2018 in den Air Studios aufgenommen)
04. ‘On The Nature Of Daylight (Entropy) ’ (neu arrangiert, 2018 in den Air Studios aufgenommen)
05. ‘Vladimir’s Blues’ (Remix von Jlin)
06. ‘Iconography’ (Remix von Konx-Om-Pax)
07. ‘This Bitter Earth’ / ‘On The Nature Of Daylight’
08. ‘Cypher’

Events
4. Juni 2018 Berlin, Philharmonie
5. Juni 2018 Frankfurt, Alte Oper
6. Juni 2018 Bremen, Die Glocke
8. Juni 2018 Düsseldorf, Heinersdorff Konzerte
9. Juni 2018 Hamburg, Elbphilharmonie

„The Blue Notebooks“ von Max Richter wird von Deutsche Grammophon / studio richter in folgenden Konfigurationen veröffentlicht:
21. April 2018: Record Store Day Exclusive (2LP Vinyl)
11. Mai 2018: Standard Edition (2 CD Digipack, Double eAlbum, 2 LP Black Vinyl)
29. Juni 2018: Super Deluxe Edition (2 CD Hardcover Edition in aufwändiger Gestaltung mit Notizbuch und exklusivem Bonustrack)
Das Rezensionsexemplar wurde von Deutsche Grammophon zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Webseite von Max Richter