Molly’s Game: Alles auf eine Karte

Basierend auf einer unglaublichen wahren Geschichte, erzählt „Molly’s Game“ die Geschichte der Molly Bloom, einer vielversprechenden Olympia-Skifahrerin, die eines der exklusivsten Pokerspiele des Untergrunds aus richtete. Nachdem ihrer Olympia-Karriere durch einen Unfall plötzlich ein Ende gesetzt wird, macht sie sich nach L.A. um für einen erfolgreichen Geschäftsmann zu arbeiten, der Pokerspiele veranstaltet. Schnell wird sie der Kopf hinter der ganzen Sache, bevor sie in New York ihre eigenen High-Stakes Pokerspiele ausrichtet. Einige der reichsten und einflussreichsten Männer Hollywoods und New Yorks sind ihre regelmäßigen Spieler beim Untergrund-Poker. 250.000 Dollar Buy-in ist für diese Kerle kein Problem. Doch schon bald zieht Bloom die Aufmerksamkeit des FBIs auf sich. Es folgen FBI-Ermittlungen und ein Prozess, der über die Legalität der Spiele und Blooms Zukunft entscheiden soll…

„Molly’s Game“ behandelt eine absolut fesselnde Story. Dass es sich hierbei um eine wahre Geschichte handelt, mag man gar nicht glauben. Das Leben der Bloom wirkt vielmehr wie eine reine Erfindung aus Hollywood, da zeigt sich wieder, dass das echte Leben noch verrückter sein kann, als Fiktion. Der über zweistündige Film überzeugt von vorne bis hinten mit einer hervorragenden Ausführung einer beeindruckenden Geschichte. Es geht dynamisch zu, fade Szenen sind trotz der Spiellänge nicht zu finden. Die Thematik des Films könnte zeitlich nicht besser passen. Nie zuvor war das Thema „Die Probleme der Frau in einer von Männern dominierten Welt“ aktueller als jetzt. Die Thematik rund um Poker bzw. Kartenspiele ist dabei nichts Neues, schließlich wurde die aufregende Welt der Casinospiele bereits für viele Filme verwendet, wie Ocean’s 11, Hangover, 21 und viele mehr. Doch schafft es der Film, der Welt der Kartenspiele einen neuen Dreh mit einer ganz eigenen und fesselnden Geschichte zu verpassen – mit einer Frau in der Hauptrolle.

Drehbuchautor Aaron Sorkin, den wir bereits aus „The Social Network“ und „Steve Jobs“ kennen – beides ebenfalls Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen – feiert in diesem Film sein Debüt als Regisseur und zeigt wieder sein überragendes Talent mit seinen typischen verbalen Explosionen und amüsanten, scharfen Bemerkungen. Dabei liefern Jessica Chastain als Bloom und Idris Elba als ihr Anwalt, Charlie Jaffey, eins a Performances ab.

Durch einen Unfall wird die Olympia-Karriere der vielversprechenden Skifahrerin Bloom beendet. Auch ihrem Jura-Studium an der Harvard University wird so ein Ende gesetzt. Sie entkommt dem Griff ihres Ausbilders Larry Blooms, durch Kevin Kostner dargestellt, und zieht nach L.A., um sich auf anderem Gebiet zu beweisen. Hier begann sie, als Assistentin des Dean Keith (Jeremy Strong) zu arbeiten, der legale Pokerspiele für eine Vielzahl an Berühmtheiten und Schauspieler austrug. Mit ihrer Schlagkräftigkeit und ihrem Selbstbewusstsein macht sie sich in der Männerwelt und zieht schließlich nach New York, um ihr eigenes Ding zu drehen.

Die Story steigt hier rasant zum Höhepunkt, während man hin- und hergeworfen wird zwischen Szenen ihres Spitzenerfolgs als Pokerprinzessin und den eher deprimierenden Szenen bei Besprechungen mit ihrem Anwalt. Diese Szenen werden von Sorkin hervorragend zusammengeschnitten, mit schnellen Zooms, aufregenden Schwenkern und hilfreichen On-Screen-Infos. Gepaart mit der sexy und trockenen Raffinesse durch Chastain, die den Männern der Branche trotzt, entsteht ein fesselndes Geschehen.

Wie für Sorkin typisch, wird die Geschichte einer rasanten Erfolgsgeschichte einer ambitionierten Persönlichkeit dargestellt, die schließlich nach Erreichen des Höhepunkts einer dunklen Zukunft ins Auge blickt. Während der Ermittlungen und Verhandlungen kommt Blooms verwundbare Seite mehr und mehr zum Vorschein. Hier kommt der Rolle des Anwalts – und später auch ihr mehr oder weniger freiwilliger Therapeut und Freund – zunehmend Bedeutung zu, mit intellektuellen und schlagfertigen und mitreißenden Konversationen zwischen den beiden.

Voller Drehungen und Wendungen, trockenem Humor, Drama, Mann gegen Frau, Sexismus und Intellektualität – Molly’s Game bietet ein Drama, das sich lohnt, anzusehen.

Originaltitel: Molly’s Game
Land / Jahr: USA / 2017
Genre: Drama, Biographie, Kriminalfilm
Darsteller: Jessica Chastain: Molly Bloom, Idris Elba: Charlie Jaffey, Kevin Costner: Larry Bloom, Michael Cera: Spieler X, Jeremy Strong: Dean Keith, Chris O’Dowd: Douglas Downey, J. C. MacKenzie: Harrison Wellstone, Brian d’Arcy James: Brad, Bill Camp: Harlan Eustice, Graham Greene: Judge Foxman, Justin Kirk: Jay, Angela Gots: B, Natalie Krill: Winston, Stephanie Herfield: Jesse, Madison McKinley: Shelby
Regie: Aaron Sorkin
Drehbuch: Aaron Sorkin
Romanvorlage: Molly Blooms Memoiren: “Molly’s Game: From Hollywood’s Elite to Wall Street’s Billionaire Boys Club, My High-Stakes Adventure in the World of Underground Poker”
Produktion: Mark Gordon, Matt Jackson, Amy Pascal
Kamera: Charlotte Bruus Christensen
Schnitt: David Rosenbloom
Musik: Daniel Pemberton
Laufzeit: ca. 140 Min.

Webseite zum Film: Molly’s Game