Monos – Zwischen Himmel und Hölle

Gewinnspiel_rotIn einer abgelegenen Bergregion irgendwo in Lateinamerika absolviert ein aus Teenagern bestehender Rebellentrupp militärische Übungen, während sie im Auftrag einer Guerillagruppe, die nur als „die Organisation“ bekannt ist, Lösegeld für eine Gefangene erpresst und die zwangsrekrutierte Milchkuh Shakira bewacht. Ein Angriff aus dem Hinterhalt treibt die Gruppe in den Dschungel, ihr komplexes Beziehungsgeflecht zerreißt und die Aggression innerhalb der Gruppe beginnt zuzunehmen.

Film-Blog.tv meint:
Alejandro Landes polarisiert mit „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“. Von „Schade um die Zeit“ bis „Meisterwerk, das jetzt schon ein Klassiker ist“ reichen die Meinungen. Und irgendwie haben alle ein bisschen Recht, letztendlich ist alles Geschmackssache. Wer sich allerdings auf die Metapher einlässt und „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ auf sich wirken lässt, wird in eine einzigartige Geschichte mit sensationeller Bildsprache belohnt, deren Sog man sich nicht entziehen kann und dessen Wirkung lange nachhält.
Ein bisschen einfacher wird es, die Geschichte zu verstehen, wenn man das Interview mit Alejandro Landes gelesen hat, das wir hier gerne veröffentlichen.

Das Video ist bei youtube eingebettet. Schon Dein Besuch bei www.film-blog.tv überträgt Daten, gemäß der Datenschutzerklärung von Google an youtube (=Google)!

Der kolumbianisch-ecuadorianische Regisseur Alejandro Landes erzählt in süchtig machenden Bildern ein abgründiges „Herr der Fliegen“-Inferno im Dschungel. Der Adrenalinrausch ist einerseits ein wildes Abenteuer und ein Blick in die Psyche einer jahrzehntelang vom Krieg gezeichneten Gesellschaft. Landes vereint den positiven Wahnsinn eines Werner Herzog, der für „Fitzcarraldo“ ein echtes Schiff einen Berg hochziehen ließ, mit der technischen Perfektion eines James Cameron.

Im Gespräch mit Alejandro Landes

Wie ist dieses Projekt zustande gekommen?
Ein nicht enden wollender Bürgerkrieg herrscht noch immer in Kolumbien und es gibt darin viele Fronten: paramilitärische Truppen, Guerillas, Narcos, die Regierung sowie ausländische Akteure – und die Lage scheint sich immer weiter zuzuspitzen. Obwohl dies die erste Chance meiner Generation darstellt, ist es nicht der erste Friedensprozess in Kolumbien. Das hat mich dazu bewogen, den Film wie einen Fiebertraum anzulegen.

Welche Bedeutung hat der Titel „Monos“?
Im Spanischen ist es ein gängiger Präfix und geht zurück auf das griechische Wort für „allein“. Es ist zudem der Codename für den Trupp im Film.
Hinsichtlich der Handlung ist es ein langer Weg von der engen Bande zwischen den Jugendlichen zu Beginn des Films und der „Last Man Standing“-Mentalität am Ende.

Inwiefern hat die Lage in Kolumbien den Film inspiriert?
Der ehemalige Präsident erhielt den Friedensnobelpreis für das Unterzeichnen eines Friedensabkommens zwischen FARC, der größten Guerillatruppe, und der Regierung. Dieser wurde aber durch ein Referendum an der Wahlurne zunichte gemacht und musste per richterlichem Beschluss durchgesetzt werden. Die Vereinbarung sieht vor, dass alle Guerilla-Kämpfer in den Bergen und dem Dschungel ihre Waffen abgeben und sich in die Städte und Dörfer begeben. Hilft man ihnen, ein neues Leben aufzubauen oder wird man sie auf der Straße aus Rache erschießen? Vielleicht geraten sie auch in Vergessenheit? Diese Frage ist eine tickende Zeitbombe.
„Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ soll keine Lösungen bieten, sondern Teil vergangener, kontemporärer und künftiger Diskussionen sein. Trotz des Friedensabkommens ist die Lage sehr angespannt und es gibt eine Menge Wut in Kolumbien und auf der ganzen Welt. Vielleicht hat das auch etwas Positives, da man nicht weiter wegschauen kann.
Man muss sich damit auseinandersetzen und Fragen stellen. „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ kehrt am Ende buchstäblich nach Hause zurück und konfrontiert uns dabei mit einer Frage.

Wie hat der Roman „Herr der Fliegen“ diese Geschichte beeinflusst?
Der allegorische Einfluss von „Herr der Fliegen“ wie auch der von Francis Ford Coppola verfilmte Roman „Herz der Finsternis“ / „Apocalypse Now“ reicht weit über ihre Schauplätze, die darin beschriebenen Konflikte und Länder hinaus.
Außerdem bohren sich beide Romane tief in das Unterbewusstsein ihrer Leserschaft, wie ein Totempfahl oder eine Art Tätowierung.

Warum versetzen Sie das Publikum ohne jeglichem Kontext in eine nicht näher beschriebene Umgebung?
Mein Grundgedanke war, von der Geschichte bis hin zum Produktionsdesign eine zeitlose Welt zu erschaffen – inspiriert vom kolumbianischen Krieg. Dort lebt diese Gruppe Jugendlicher, die von einer unbekannten Macht ausgebildet und behütet wird. Sie befinden sich als Teil einer geheimen Armee auf einer Mission, sind Soldaten in den hinteren Reihen eines Krieges, aber auch einfach nur eine eingeschworene Gemeinschaft.

Was wollen Sie mit der Gewaltdarstellung vermitteln?
Gewalt ist ein untrennbarer Bestandteil des Krieges und daher unvermeidbar für den Trupp und seine Geisel. Ich wollte die Gewalt weder übertrieben blutig noch romantisiert darstellen, wodurch diese gerne unterhaltsam oder mutig wirken soll. Vielmehr wollte ich eine authentische, abschreckende Wirkung erzielen, die selbst die Person verstört, die sie ausübt.

Was hat Sie an jugendlichen Kommandotruppen so fasziniert?
Wir haben fast alle schon mal davon geträumt, mit unseren Freunden an einen entfernten Ort zu fliehen und dort frei zu sein, ohne dass uns jemand beobachtet oder sagt, was wir zu tun haben. „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ dient die Jugend als Metapher für Kolumbien als Nation. Es ist ein junges Land auf der Suche nach seiner Identität, und die Hoffnung auf Frieden ist sehr fragil. Im Film geht es nicht nur um das Leben als Kindersoldat, sondern noch viel mehr um die Jugendzeit. In dieser Phase versuchen wir herauszufinden, wer wir sind und wer wir werden wollen. Wir sehnen uns nach Gesellschaft, wollen aber ebenso sehr in Ruhe gelassen werden. „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ soll diese Angst, dieses inneren Zerwürfnisses heraufbeschwören, statt Mitleid oder Wut beim Publikum hervorzurufen, indem der Film einen für viele fernen Konflikt schildert.

Beschreiben Sie die Gruppendynamik jenseits politischer Konventionen …
Im Krieg verschwimmen die Grenzen, ebenso wie politische Orientierungen. Links? Rechts? Nach einer Weile fragt man sich, ob das überhaupt noch wichtig ist. Das wird besonders offensichtlich bei langwierigen Konflikten mit vielen Fronten, wie in Kolumbien oder Syrien. Dort können Kämpfe auch aus rein monetären oder persönlichen Gründen entstehen. In meinem Film gibt es keine einzelnen Figuren. Der Hauptcharakter ist die Gruppe: Ein Trupp Jugendlicher mit dem Codenamen „Monos“. Durch eine stetig wechselnde Perspektive folgen wir der Gruppe, während ihre Mitglieder versuchen, sie zusammenzuhalten, als die Lage sich zunehmend zuspitzt.

Erzählen Sie mehr über die Besetzung der Jugendlichen …
Ein großes Team half uns beim Casting mit über 800 Jugendlichen aus ganz Kolumbien. Aus diesen wählten wir 30 für die Teilnahme an einer militärischen Grundausbildung in einem Camp hoch oben in den Anden aus. Wochenlang nahmen sie an morgendlichen Improvisations- und Schauspielübungen der argentinischen Schauspielerin Inés Efrón teil.
Nachmittags standen Militärübungen auf dem Plan, bei denen sie diverse Formationen, Überschläge sowie das Führen von Schusswaffen trainierten. Die Militärübungen wurden von Wilson Salazar geleitet, dem ehemaligen Kommandeur einer gefürchteten Guerilla-Einheit und FARC-Deserteur. Auf ihn war vor drei Jahren noch ein Preisgeld ausgesetzt – tot oder lebendig. Wir waren sofort begeistert von ihm und besetzten ihn in der Rolle des „Boten“, dem Bindeglied zwischen den Kommandotrupps und der Organisation.
Die Mitglieder des Trupps stammen aus grundverschiedenen sozioökonomischen Umfeldern und haben unterschiedliche Schauspielerfahrung.
Der Darsteller von Boom Boom stammt aus dem Hinterland und hat keinerlei Schauspielerfahrung. Sofia, die Rambo spielt, ist eine Skaterin aus der Millionenmetropole Cali. Ein weiteres Mitglied der Besetzung stammt aus dem Theater-Programm eines strengen Internats für drogensüchtige Jugendliche. Und natürlich Moisés Arias aus Hollywood, der aus einer kolumbianischen Familie stammt und seine Schauspielkarriere in der TV-Serie „Hannah Montana“ begann. Es ist ein zusammengewürfelter Haufen.
Anhand der Gruppendynamiken, die sich aus diesen zermürbenden Trainingseinheiten formten, wählten wir die achtköpfige Gruppe in „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“. Das Zusammenleben in einer abgelegenen Umgebung war eine einzigartige und gemeinschaftliche Erfahrung vor den Augen einer kleinen Filmcrew und einer Kamera – dies schuf noch vor Beginn der Dreharbeiten eine enge Bande zwischen den Jugendlichen.

Beschreiben Sie die Kulisse zu Beginn des Films, die sich in einer abgelegenen Bergregion außerhalb einer fernen, nicht genannten Stadt befindet …
Wir waren auf der Suche nach einer außerweltlich anmutenden Umgebung und stießen auf diese riesigen Steinformationen – Überreste einer verlassenen Zementmine – die aussahen, als befänden sie sich auf der Spitze der Welt. Ihre schiere Größe und schlichte Geometrie waren einzigartig. Es war jedoch unmöglich, sie auf einer Karte zu finden. Ich wusste sofort, dass wir den Drehort für den Anfang des Films gefunden hatten.
Dieses Bergplateau ist zudem eine einzigartige Kulisse – ein schwebendes, amorphes Sumpfgebiet in den Wolken, das die Wasserreserven des Landes birgt. Aus narrativer Sicht folgen wir in „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ dem natürlichen Fluss des Wassers: von den Rinnsalen der Bergspitze über eine Abwärtsspirale hinab in die reißenden Ströme der Dschungelflüsse.

Wo haben Sie die Eröffnungssequenz gedreht?
Wir drehten im Chingaza Nationalpark, vier Autostunden von Bogotá entfernt, der über 4.000 Höhenmeter gelegen ist. Es ist eine durch akuten Sauerstoffmangel, Kälte, Feuchtigkeit und unvorhersehbaren Wetterwechseln für den Menschen äußerst gefährliche und kräftezehrende Umgebung, und zudem der stillste Ort, an dem ich je war.
Der dortige Dreh war wirklich hart, aber die Abgeschiedenheit und dünne Luft versetzte die komplette Besetzung und Crew in einen gänzlich anderen Bewusstseinszustand, weit entfernt von der im Film geschaffenen Welt.

Die zweite Hälfte des Films spielt im Dschungel. Wo haben Sie gedreht und inwiefern haben Sie Ihre Drehpläne der neuen Umgebung angepasst?
Wir haben fünf Stunden von Medellín entfernt am Samaná gedreht – eine spektakuläre und bis heute größtenteils unberührte Kulisse, die bis vor Kurzem auf Grund der Kämpfe zwischen Guerilla-Truppen und paramilitärischen Einheiten noch völlig unzugänglich war. Zudem ziehen die Bodenschätze des Flusses illegale Goldschürfer an. Die Weite der Bergspitze war fantastisch. Man fühlt sich dort sehr schnell als winziges Sandkorn inmitten eines gigantischen Universums. Im Dickicht des Dschungels hingegen verliert man jeglichen Maßstab. Wir wollten, dass der Dschungel die Klaustrophobie und Deformation widerspiegelt, während der Trupp allmählich auseinanderfällt.

Wie war die Stimmung innerhalb der Besetzung und Crew beim Dreh im Dschungel?
Ich denke, alle sind körperlich und intellektuell bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gegangen. Einmal hat man mich auf einer Trage einen Canyon hinaufgeschleppt, weil ich nicht mehr aufstehen konnte und unser Sanitäter davon überzeugt war, dass ich eine Blinddarmentzündung hatte. Ich weiß noch, wie ich auf der Trage geheult habe, aber nicht wegen der Schmerzen, sondern weil ich nicht wusste, wann ich wieder zurückkehren könnte und es beinahe unmöglich wäre, unser Dschungelcamp wiederaufzubauen.
Auch die jungen Schauspieler mussten sich allen möglichen Herausforderungen und Problemen stellen. Am bemerkenswertesten fand ich jedoch, dass ausgerechnet sie stets das Gefühl hatten, Teil von etwas Außergewöhnlichem zu sein. Sie trugen die Verantwortung dafür, dass alles ordnungsgemäß umgesetzt wurde, und sie hatten sich dieser Aufgabe voll und ganz verschrieben. Sie wussten genau, auf was sie sich eingelassen hatten, und haben sich das sogar zunutze gemacht.

Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns das Jugenddrama, das Euch am besten gefällt! Schön wäre eine kurze Begründung.
2.) Wie habt Ihr zu www.film-blog.tv gefunden?
Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

1 x Blu Ray-Disc™ „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“

Schickt einfach eine Mail mit Euren Antworten und Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 31.10.2020 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv
dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

DCM Film Distribution GmbH präsentiert „Monos – Zwischen Himmel und Hölle“ ab dem 09. Oktober 2020 auf Blu Ray-Disc™ und DVD sowie seit 02. Oktober 2020 als VOD im Vertrieb von Universum Film GmbH / LEONINE.
Das Rezensions- und das Verlosungsexemplar wurden von Universum Film GmbH / LEONINE zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Monos
Land / Jahr: Kolumbien, Argentinien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Deutschland, Uruguay, USA / 2019
Genre: Drama
Darsteller: Julianne Nicholson: Doctora Sara Watson; Moises Arias: Patagrande (Bigfoot); Sofia Buenaventura: Rambo; Julián Giraldo: Lobo (Wolf); Karen Quintero: Leidi (Lady); Laura Castrillón: Sueca (Schwedin); Deiby Rueda: Pitufo (Zwerg); Sneider Castro: Boom Boom; Paul Cubides: Perro (Hund); Wilson Salazar: Bote; Jorge Román: Goldsucher u.a.
Regie: Alexis Dos Santos, Alejandro Landes
Drehbuch: Alexis Dos Santos, Alejandro Landes
Produktion: Fernando Epstein, Alejandro Landes, Santiago Zapata, Cristina Landes
Kamera: Jasper Wolf
Schnitt: Ted Guard, Yorgos Mavropsaridis, Santiago Otheguy
Musik: Mica Levi
FSK: 16

Blu Ray-Disc™
Laufzeit: ca. 103 Min.
Bildformat: 16:9 – 2,4:1
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache(n): Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Wendecover

Webseite zum Film: Monos – Zwischen Himmel und Hölle

Die Links wurden von uns ohne Gewähr für den Inhalt der jeweiligen Seite als Linktipp aufgenommen. Wir haben keinen Einfluss auf die dort verbreiteten Inhalte und lehnen also auch jede Verantwortung für die Inhalte der Link-Seiten ab.