Simpel: Zwei Brüder durch dick und dünn

Seit Ben denken kann, sind er und sein Bruder Barnabas ein Herz und eine Seele. Barnabas, „Simpel“ genannt, ist 22 Jahre alt, aber geistig auf dem Stand eines Kindes. Quasiloten sind sein Lieblingsessen und draußen im Watt entdeckt er mit seinem Stofftier Monsieur Hasehase neue Kontinente. Simpel ist anders und oft anstrengend, aber ein Leben ohne ihn ist für Ben unvorstellbar. Als ihre Mutter unerwartet stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden.
Die einzige Person, die diesen Beschluss rückgängig machen könnte, ist ihr Vater David, zu dem die Brüder seit 15 Jahren keinen Kontakt mehr hatten. Die Suche nach ihm entwickelt sich zu einer turbulenten Odyssee, bei der Simpel und Ben auf die Medizinstudentin Aria und ihren Kumpel, den Sanitäter Enzo treffen. Keiner der vier ahnt, dass sich hier eine große Freundschaft entwickelt – und vielleicht ein bisschen mehr.

Film-Blog.tv meint:
„Simpel“ ist einer der besten deutschen Filme des Jahrgangs 2017. Ein toller Roman als Vorlage, sensibel und zu keinem Moment kitschig in Szene gesetzt von Markus Goller. Das Drehbuch mag im Vergleich zur Vorlage von Marie-Aude Murail etwas „weichgespült“ sein, doch die Schauspielerische Leistung von Frederic Lau – und erst Recht von David Kross – ist ein echtes Highlight der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Was Kross hier abliefert ist: Sensationell. Wenn wir schon beim Loben sind: Auch das, wie Ueli Steiger das Ganze mit seiner Kamera eingefangen hat, ist preisverdächtig. Einen kleinen Kritikpunkt muss sich Universum Film bei der vorliegenden Veröffentlichung für’s Heimkino dann aber doch gefallen lassen: Leider gibt’s kein Wendecover, der gelbe FSK-Platschari verunziert das Cover und lässt sich nicht „verstecken“.

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Ben hat keinen festen Job, aber auch so alle Hände voll zu tun. Auf dem Hof der Familie direkt hinterm Deich pflegt er seine todkranke Mutter – und seinen Bruder Barnabas, genannt Simpel, der nur vom Alter her erwachsen ist, sich im Kopf aber nie über den Stand eines kleinen Kindes hinaus entwickelt hat. Wozu auch gehört, dass Simpel sich gern einmal selbstständig macht. Ben liest ihn (wieder einmal) weit draußen im Watt auf, wo Simpel zusammen mit seinem treuen Begleiter, dem Stofftier Monsieur Hasehase, gerade einen neuen Kontinent samt Ureinwohnern entdeckt hat. Aus Freude über die Entdeckung muss Simpel erst einmal eine Runde mit Ben tanzen.

Gerade noch rechtzeitig, bevor die Flut kommt, kann Ben ihn zurück an Land bugsieren. Abends bekommt Simpel sein Lieblingsessen: Quasiloten (Erdbeeren). Als Ben der Mutter ihr Essen ans Bett bringen will, findet er sie tot vor.

 

In der Kirche, am offenen Sarg, nimmt Simpel Abschied von seiner Mutter: Er verspricht, auf Ben aufzupassen, wünscht ihr gute Verreisung und gibt ihr einen letzten Kuss. Zurück zuhause, kriegen die Brüder Besuch: Der Dorfpolizist bringt die Nachricht, dass Bens Antrag, Simpel zu betreuen, abgelehnt wurde. Der Vater der beiden, der schon lange getrennt von ihnen lebt, hat Einspruch eingelegt – und nun soll Simpel in wenigen Tagen ins Heim gebracht werden.

Als es dann tatsächlich so weit ist, der Polizist und der Anstaltsleiter anrücken und Simpel in den Polizeibus steigt, rastet Ben aus. Ben holt den Polizisten vom Fahrersitz, setzt sich selbst ans Steuer, und schmeißt auch den Anstaltsleiter hinaus. Nun sind Ben und Simpel unversehens auf der Flucht…

Aber wohin? Simpel schlägt vor, ans Meer, zu den Haien zu reisen, aber Ben hält es für besser, ihren Vater aufzutun – Simpel lebt seit Jahren in dem Glauben, dass der Vater auf Geschäftsverreise ist, Ben aber weiß, dass er in der nahen Großstadt leben muss. Die Suche nach ihrem Vater und auch die Großstadt halten einige Überraschungen und Herausforderungen für die Brüder bereit.

An einer Tankstelle treffen sie die Medizinstudentin Aria – Simpel rempelt sie aus Versehen an und teilt ihr mit, dass sie eine schöne Dame sei. Aria und ihr Kumpel, der Sanitäter Enzo, lassen das komische Pärchen mitfahren. In der Großstadt angekommen, steigen sie am Hafen aus und verabschieden sich von Aria und Enzo. Ben setzt Simpel an einer Bushaltestelle ab, während er das Autohaus sucht, wo sein Vater als Verkäufer arbeitet. An der Haltestelle kommt Simpel mit der Prostituierten Chantal ins Gespräch, die zunächst versucht, ihn als Kunden zu locken, ihn dann aber in die Animierbar, in der sie und ihre Kolleginnen arbeiten, mitnimmt.

Ben tut im Autohaus zunächst so, als wolle er einen Wagen kaufen, gibt sich dann aber doch seinem Vater David gegenüber zu erkennen – der sich mächtig freut, nach langer Zeit seinen Sohn wiederzusehen und lädt ihn ein, seine neue Familie kennenzulernen. Simpel, schick gemacht mit Glitzertop und Federboa, spielt unterdessen in der Animierbar mit den Prostituierten Verstecken. Doch der Zuhälter schmeißt ihn kurzerhand raus. Weil er dabei aber Monsieur Hasehase wehgetan hat, stürzt sich Simpel voller Wut auf offener Straße auf ihn; genau in dem Moment, als Ben zurückkommt. Ben greift sofort ins Geschehen ein, wird aber von dem Zuhälter verprügelt. Simpel bedroht den Zuhälter mit einer geklauten Pistole. Ben und Simpel fliehen durch die Hinterhöfe.

Ben muss ins Krankenhaus. Dort treffen sie Aria wieder, die Ben versorgt. Aria lässt die beiden ihn ihrer Wohnung übernachten. Am nächsten Morgen will Ben auf jeden Fall wieder mit ihrem Vater sprechen. Da Simpel sich strikt weigert mitzukommen, lässt Ben ihn notgedrungen bei Aria, setzt ihn vor den Fernseher und schärft ihm ein, nichts anzufassen, bis er wieder da ist. Doch Simpels gute Vorsätze halten nicht lange. Als er auf eine Kochsendung umschaltet, kommt ihm die Idee, mitzukochen, und er macht fröhlich den Gasherd auf volle Stufe an. Während Ben im Autohaus von seinem Vater erfährt, dass er seiner neuen Familie immer verschwiegen hat, dass es Simpel überhaupt gibt, flambiert dieser Arias Küche, die fast ausbrennt.

Als Aria nach Hause kommt, finden sie den verstörten Simpel vor. Um ihn abzulenken, geht sie mit ihm auf den Kinderspielplatz, wo sie wippen und auf eine Geburtstagsgruppe aus einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen treffen, mit denen sich Simpel gleich anfreundet. Schließlich geht Aria noch mit Simpel auf den Jahrmarkt. Bei ihrer Rückkehr treffen sie auf Ben, dem Aria schwere Vorwürfe macht: Es sei völlig verantwortungslos, was er da mit Simpel mache! Ben erwidert wütend: „Ich mache nichts anderes, als mich um ihn zu kümmern!“ Enzo rät Ben, sich Wohnheime anzuschauen: ob das nicht doch das richtige für Simpel sei. Für Ben ist dieser Vorschlag aber nichts weiter als Verrat, und so flüchtet er mit Simpel mitten in der Nacht aus Arias Wohnung. Er trägt den schlaftrunkenen Simpel huckepack durch die Stadt.

Am nächsten Tag gehen Ben und Simpel zum Haus ihres Vaters; Simpel soll im Garten warten bis die Situation geklärt ist. Auf dem Balkon, außer Hörweite der anderen, versucht David, Ben zu erklären, warum er Simpels Existenz geleugnet und seine Einweisung bewirkt hat. Simpel wird es währenddessen im Garten langweilig, also klingelt er und wird von Davids Sohn hereingelassen. Als David ihn entdeckt, schreit er Simpel nur ein „Geh raus!“ entgegen.

Ben und Simpel stranden auf einem Bahnsteig. Dort kommt es zu einem heftigen Streit. Schließlich bricht es aus Ben heraus: „Weißt du, was ich mir wünsche? Einfach Ben zu sein!“ Simpel steigt, tief verletzt, einfach in die nächste Bahn ein, um Abstand von seinem Bruder zu bekommen. Ben lässt ihn machen und gibt sich erst zu spät den entscheidenden Ruck, als die Türen sich schon schließen und Simpels Zug ohne Ben losfährt.

Simpel allein in der Großstadt – kann das gutgehen? Ben muss versuchen, seinen Bruder zu finden, bevor ihm etwas zustößt – und er hat auch noch eine wichtige Entscheidung für sein weiteres Leben zu treffen…

Universum Film GmbH präsentiert „Simpel“ ab 20. April 2018 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Simpel
Land / Jahr: Deutschland / 2017
Genre: Drama, Familie, Komödie
Darsteller: David Kross: Barnabas, genannt Simpel, Frederick Lau: Ben, Emilia Schüle: Aria, Axel Stein: Enzo, Annette Frier: Chantal, Devid Striesow: David, Claudia Mehnert: Clara, Maxim Kovalevski: Franciczek, Torsten Hammann: Frank, Oscar Ortega Sánchez: Santos, Ludger Pistor: Frank Schöll, Tim Wilde: Polizist Gruber, Anneke Kim Sarnau: Julia, David Berton: John, Uwe Rohde: Friedhofsmitarbeiter u. a.
Regie: Markus Goller
Drehbuch: Dirk Ahner
Romanvorlage: „Simpel“ von Marie-Aude Murail
Produktion: Michael Lehmann
Kamera: Ueli Steiger
Schnitt: Tina Freitag
Musik: Andrej Melita
FSK: 6

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 114 Min. + Bonus
Bildformat: 2,40:1 / 16:9
Tonformat: DTS-HD 5.1 Master Audio
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Interviews mit Cast & Crew, Hörfilmfassung

Webseite zum Film: “Simpel”